Zwei Langnasen in China

Auf unserem letzten Transsib Abschnitt von Ulan Bator her, sind wir gemächlich im Pekinger Hauptbahnhof eingefahren und betreten erstmals chinesisches „Festland“. „Jetzt geht’s los mit den Schriftzeichen bei denen wir keine Chance haben sie zu lesen!“ denken wir noch, doch ohne Probleme finden wir den Weg zur richtigen Metrostation um zu unserem Hostel zu fahren. Wie wir sehr schnell merken ist immer unter den chinesischen Zeichen noch alles (oder zumindest das Wichtigste) auch noch in unserer Schrift angeschrieben, was das Zurechtfinden enorm vereinfacht. Man kann wirklich nicht viel falsch machen! Wie am Flughafen gibt es bei der Metrostation einen Security-Check mit Gepäckdurchleuchtung und schon hüpfen wir in die erste Metro, einmal umsteigen um wieder an die Oberfläche zu gelangen (die Security-Checks finden übrigens bei jedem Betreten der Metro statt!!). Das klappt ja schon einmal super! Erstaunlich wenig Gedränge und Geschubse! Dann geht es auf die Suche nach unserem Hutong wo sich unser Hostel mit dem schönen Namen: Red Lantern House befindet. Hutongs sind traditionelle Wohngegenden mit engen Gassen und meist einstöckigen Gebäuden die noch nicht dem Zerstörungswahn der Chinesen zum Opfer gefallen sind. Mittlerweile bauen die Chinesen sogar schon künstliche Hutongs nur für die Touristen und vertreiben die Einheimischen aus ihren Häusern! 🙁

Unser Hostel gefällt uns auf Anhieb und vor allem der wunderschöne, authentische Courtyard (überdachter Innenhof) hat viel Charme! Auch mit unserem Zimmer sind wir sehr zufrieden, welches wir uns nach der Mongolei gönnen! 🙂 Das Hostel liegt nicht superzentral aber mit der Metro kommt man überall sehr schnell hin und was auch schön ist, das Viertel ist nicht so touristisch!

Der Courtyard im Red Lantern House_P1010184Schnell kommen wir im schönen Courtyard in Kontakt mit anderen Reisenden. Sabrina ein sympathisches deutsches Mädel, dass in Ping Xiang im Süden Chinas ein Praktikum macht und für Weihnachten und Silvester nach Peking hochflog und eine lustige deutsche Grossfamilie die Winkel-Family (Martha, Mama von Babette, Konrad, Dominik, Bastian und Georg, Papa von Natalie mit Freund Frederik) welche ihren Familienurlaub in Shanghai und Peking verbringt.

Da wir noch gar nichts geplant haben für Peking und uns spontan, sprich nach Wetter, Lust und Laune für die jeweiligen Sehenswürdigkeiten entscheiden wollen, sind wir gleich mit von der Partie, als die Winkel-Family zusammen mit Sabrina den Grosse-Mauer-Abschnitt bei Mutianyu besichtigen wollen. Diesen Abschnitt wollten wir ja sowieso besuchen und nicht den von Chinesen belagerten Abschnitt bei Badaling! Wie die meisten Backpacker es schon vor uns geschafft haben, kann man diesen Abschnitt, mehr oder weniger einfach, mit dem öffentlichen Bus erreichen. Und dies mit einer grösseren Gruppe erscheint uns sehr sympathisch. Da müssen wir uns nicht alleine mit den Chinesen rumschlagen! 😉

Doch am Vorabend ändern sich auf einmal die Pläne! Die Winkel-Family hat sich von einem der vielgewarnten „Schleppern“ auf dem Tiananmen-Platz eine Tour zur Mauer buchen lassen für nur 100 RMB (ca. 15.00 CHF). Anscheinend ohne Shoppingtour und mit Eintritt zur Mauer plus einem Mittagessen plus einem englischsprachigen Guide! Zu schön um wahr zu sein! 😮

Wir müssen uns entscheiden! Auf eigene Faust nach Mutianyu oder mitgehen und allenfalls „reingelegt“ werden?? Der „Verlust“ wäre ja nicht allzu gross und im schlimmsten Fall gehen wir halt nochmals. Und eigentlich wäre es doch ganz lustig zu erleben wie so eine Tour abläuft! Wir wissen jetzt schon, was die meisten denken! Die Backpacker von heute sind auch nicht mehr das was sie mal waren! 😉 Ja wir geben es zu, wir machen die Tour mit!! 😀

Wir schreiben den 31. Dezember 2012! Ziemlich pünktlich um 08.00 Uhr trifft unser Tourguide, eine Sie (den Name haben wir vergessen, wir nennen sie mal Wendy) und ihr Fahrer ein. Doch da gehen die Verhandlungen schon los! Natürlich gibt’s eine Shoppingtour und natürlich beinhaltet der Pauschal-Preis von 100 RMB nicht die Servicetaxen für Guide und Fahrer! 😛 Georg und Konrad, der in Shanghai studiert, beherrschen das Verhandeln aber super! Die Shops liessen sich zwar nicht weghandeln aber zumindest konnten sie Wendy aber klar machen, dass es die Servicegebühr erst am Schluss gibt wenn alle zufrieden sind. So werden wir alle in den Minibus gepackt und ab geht die Fahrt zum 1. Shop einem Teehaus!

Die Teezeremonie_IMG_8592Die „Teezeremonie“ im Showroom ist wirklich noch lehrreich und vor allem die Sprüche von den Jungs bringen die ernsten Chinesinnen immer wieder etwas aus dem Konzept und alle (inkl. Chinesinnen) zum Lachen. Weiter geht die Fahrt, ihr ahnt es schon, in den 2. Shop einem Perlengeschäft. Dort wird uns gezeigt wie die Perlen gezüchtet werden und natürlich wird danach der schöne Perlenschmuck in dutzenden Vitrinen von den eifrigen Verkäufern angepriesen. Manu wendet dann jeweils seine „Taktik“ an und verwickelt die Verkäufer in ein Gespräch, die Chinesen sind einfach zu neugierig von woher man kommt und vergessen dann plötzlich, dass sie ja etwas verkaufen sollten! 😎

eifrig wird mit Muschel in der Hand erklärt_IMG_8595wie viele Perlen sind in der Muschel_IMG_8603Auf der Weiterfahrt versucht uns Wendy zu überzeugen doch zum Mauer-Abschnitt nach Badaling zu fahren. Der Abschnitt bei Mutianyu sei momentan viel zu eisig und zu gefährlich! Zum Glück dementieren wir alle lautstark und sie muss sich geschlagen geben! Hehe!

Aber ihre Rache folgt sogleich, wir „müssen“ uns dafür nochmals einen Shop ansehen! Dieses Mal ist es eine Fabrik wo sie aus Kupfer verschiedene Gefässe fertigen und die Aussenseite kunstvoll mit Email verzieren. Für Handwerkinteressierte ist es auf jeden Fall interessant hinter die Kulissen zu blicken! Auch diesen Shop verlassen MaNa erfolgreich OHNE Kauf!

die Kupfergefässe werden bearbeitet_IMG_8609das fertige Produkt_P1010195Mittlerweile haben wir alle schon ziemlichen Kohldampf, es ist ja auch schon 12.00 Uhr! Endlich geht dann die Fahrt nach Mutianyu wo wir an einer „Abladestation“ für Touristen rausgelassen werden, direkt vor einem Restaurant. Erhalten wir  wohl nur eine Schüssel Reis zum Essen?

lasst euch den Reis schmecken_IMG_8625Die Überraschung ist dann umso grösser als über 10 Platten mit den leckersten Speisen und Delikatessen sowie einer riesen Schüssel Reis auf die drehbare Tischauflage gestellt wird! Also da kann man nicht meckern, es ist wirklich saugut! Nachdem sich alle die Bäuche vollgeschlagen haben geht es endlich zur Mauer. Der Himmel ist blau, das Wetter mild und die Sonne scheint! Was will man mehr!

die Mauer ist in Sicht_P1010205Bei diesem Mauerabschnitt kann man zwischen Sesselbahn, Seilbahn und Rodelbahn (diese natürlich nur runter) auswählen, doch wir alle entscheiden uns zu Fuss zur Mauer hoch zu steigen. Nadine, Manu und Martha nehmen es gemütlich, während der Rest gleich los sprintet. Dank der Nebensaison hat es sehr wenig Touristen, die sich auf dem Mauerabschnitt gut verteilen. Wir können uns aber lebhaft vorstellen, dass während der Hauptsaison auch auf diesem Abschnitt die Hölle los sein muss. Die Aussicht von hier oben und Blick auf die am Horizont verschwindende Mauer ist wirklich gigantisch! Da kann man nur Bilder sprechen lassen…

auf die Krete gebaut_P1010245bis zum Horizont_IMG_8663spazieren auf der Mauer_IMG_8634und aufi gehts_P1010232MaNa auf der Mauer_IMG_8682Nach gut 2 Stunden steigen wir (MaNa) wieder an den Ausgangspunkt ab, während Sabrina mit Babette die Seilbahn und der Rest der Family die Rodelbahn nimmt. Und übrigens gab es auf der Mauer wohl etwas Schnee aber es war kein einziges mal gefährlich, wie uns Wendy ja verklickern wollte! 😉

Wer denkt es geht nun auf dem direktesten Weg zurück nach Hause, irrt! Es steht noch ein letzter Shop an! Dieses Mal ein Seidenshop! Hurra! Wieder wird uns in chinesischer Manier gezeigt wie sie die Seidenkokons aufbereiten, die Seide verarbeiten, usw. usw.

Kokons werden aufbereitet_IMG_8713Doch hier hat auch niemand von den anderen mehr Lust etwas zu kaufen und unsere Wendy muss sich wiederholt geschlagen geben und uns zurückfahren.

die Luft ist raus_IMG_8722Noch nicht zurück im Hostel hält der Minibus plötzlich an und Wendy startet auf die Mitleidstour von uns nun die Servicegebühr einzufordern. Da wir uns dieser Diskussionen schon ziemlich müde sind, streckt ihr Georg einen kleinen Betrag zu (nicht die geforderten 20 pro Kopf!) und wir nutzen alle die Gelegenheit vorzeitig auszusteigen und mit der Metro zurück zu fahren. So kann man eine Tour auch beenden!

Fazit: Also für Touristen die wirklich an solchen Shops interessiert sind spricht nichts gegen eine Shoppingtour! Man muss sich einfach im Klaren sein, dass der versprochene „Pauschalpreis“ von den Schleppern am Tiananmen-Platz sicher nie stimmt und der Tourguide und der Fahrer IMMER auf einer Servicetaxe beharren werden! Für unseren Deal mit 100 RMB pro Kopf inkl. Fahrt, wirklich leckerem Mittagessen, Eintritt zur Mauer und genügend Zeit für die Besichtigung kommen wir alle sehr gut weg, und amüsant war es auch noch dazu. 😀

Da wir es so lustig mit Sabrina und der Winkel-Family hatten, feiern wir gleich noch zusammen Silvester im Courtyard unseres Hostels. Manu findet dafür in einem riesigen Supermarkt sogar eine Magnum Flasche chinesischen Sekt und allerlei komische chinesische Snacks zum Ausprobieren!

lasst die Korken knallen_IMG_8725Anstossen zum Jahreswechsel_IMG_8738Da die Chinesen ihr Neujahr erst am 10.Februar 2013 feiern (ist jedes Jahr an einem anderen Datum) gibt es halt kein Feuerwerk. Wir haben es dennoch lustig und starten zufrieden und gesund ins neue Jahr (Reisejahr)! Zum Neujahr organisiert das Hostel für uns Westler zum Nachtessen einen leckeren Hotpot. Ähnlich wie bei uns das Fondue-Chinoise aber mit dem Unterschied, dass man hier zuerst mal alles reinschmeisst (Fleisch, Gemüse, Kohl, …) und sich danach eins nach dem anderen raus fischt! Delicous!

Sabrina und die Winkel-Family reisen dann leider schon bald wieder ab und wir verbringen die sonnigen und wolkenlosen Tage in Peking noch mit Besichtigung des Lamakloster (wow!), dem idyllischen Jingshan-Park mit genialer Aussicht auf Peking und die Verbotene Stadt (wow, wow!) und herumflanieren in alten Hutongs und dem Behai-Park (wow, wow, wow!). Auch in einem künstlich hin gebauten Hutong (NO wow!!!) mit kitschiger Strassenbahn verschlug es uns. Auf einmal stösst Nadine einen lauten Schrei aus! Manu gleich in Alarmbereitschaft folgt Nadine’s Blick und versucht noch vergeblich sie zurückzuhalten! Ein H+M in Peking! Ahhhhhhh!!!! Manu schlurft ihr gezwungenermassen hinterher… . Im Laden folgen dann die typischen Sprüche: „Das brauchst Du doch jetzt nicht!“, „Das ist EIN TAG Indonesien!“ usw.! Doch gegen den H+M der gleich auch noch Ausverkauf hat, hat er nicht die geringste Chance! 😉 Stolz mit einer H+M Tasche in der Hand, gefüllt mit einer neuen Hose und Gurt (da die anderen auf der Reise im Dauereinsatz bis jetzt arg gelitten haben), geht es zurück ins Hostel wo wir schon wieder packen müssen! Es geht nach HARBIN! Harbin wo??! Die Aufklärung folgt im nächsten Bericht! 😉

 


Kommentare

Zwei Langnasen in China — 11 Kommentare

  1. Hey ihr zwei!!!! tolle geschichte und schön aufgeschrieben aber manu hat vergessen sein neues shirt zu präsentieren!! haha 🙂 wünsche euch eine weiterhin gute reise!!

  2. Hallo ihr Lieben,
    endlich der von der Winkel-Family und mir herbei gesehnte Beijing Blog. Ich fand die Zeit mit euch auch toll und amüsant. So waren die Tage nicht ganz so lang 🙂
    Für mich geht es am 28.01. auch wieder zurück in die Heimat, früher als gedacht (aber ich bin glücklich damit).
    Für eure Weitereise in Richtung Süden wünsche ich euch von Herzen alles Gute und viele neue EIndrücke.
    Fühlt euch gedrückt,
    Sabrina

    • Hi Sabrina! Mittlerweile bist Du ja schon wieder in der Heimat bei Deinen Lieben! War wirklich cool mit Dir und der Winkel-Family die Mauer zu besteigen und den Jahreswechsel zu verbringen! Wir sind nun gespannt auf den chinesischen Jahreswechsel den wir auf der Insel Hainan verbringen werden. Keep in touch und eine dicke Umarmung von uns!

  3. Saletti MaNa
    Heute habe ich das erste Mal (länger als eine Stunde) mit Maël die ganze bisherige Reise verfolgt. Wir waren auch sonst schon oft schauen aber meistens fehlte die Zeit um ihm die ganze Route und alle Bilder usw. zu zeigen. Er hat nur noch gestaunt. Vor allem hat er blitzschnell die Postkarten mit Fotos der jeweiligen Ländern verbunden.
    Wie Du gelesen hast freut er sich bereits wenn Ihr wieder zurück kommt 😉
    Ist schon der Hammer was Ihr alles erlebt. Natürlich kriegt man die eher negativen Seiten auch zu spüren (Smog). Aber Ihr als erprobte Reisende lasst Euch ja sicher nicht so schnell beeindrucken.
    Alors, geniesst es weiterhin und gebt Acht aufeinander.
    Liebe Grüsse von allen!!!!

    • Salutti Floceyamali !!!!! Das stimmt, wir sind schon reiseerprobt aber so ein SMOG lässt auch uns husten. Darum sind wir jetzt im Süden Chinas auf der Insel Hainan und geniessen das dolce fa niente und schlürfen frische Kokosnussmilch 😎 Cool, dass Maël so gut versteht wo wir sind. Er wird dadurch sicher einmal super in Geografie 😉 Hebed eu au Sorg und macheds guet! Hugs für euch alle – hug, hug, hug. hug, hug

  4. Halo götti
    ich habe dich sehr gerne ich freu mich wider wen du nach hause kommst!
    tschüs götti ich wünsche nocheine schöne reise .
    gruss Mael
    jklpoiuz7hföläü^Lilou klö

    • Hoi Maël! Das ist aber schön, dass ich von dir eine Nachricht bekomme! Ich hab dich auch uuuuuh lieb und freue mich schon darauf dich wieder zu sehen. Du musst aber noch eine ganze Weile warten! Damit die Zeit schneller vergeht, schicke ich dir aber immer wieder Karten von der Reise. Ganz liebe Grüsse dein Götti Manu und natürlich auch von Nadine

  5. Hallo ihr zwei Globetrotter!
    Da reisen zwei völlig nichts ahnende Personen in Peking und Umgebung umher, und wissen nichts über die gesundheitsschädigende Luftverschmutzung. Sehr wahrscheinlich informierten sie uns über die Medien viel früher als euch über den Smog. So bleibt uns nichts anderes übrig, als euch ganz gute Besserung zu wünschen. Seid herzlich gegrüsst
    VaMu

    • Hust, Hust! Wir haben ja tatsächlich zuerst über 20-Minuten.ch vom Smog erfahren! Da wussten alle ausserhalb Pekings und China schon mehr als wir mitten drin! Doch jetzt sind wir ja nicht mehr dort und schon bald-bald sind wir auf Hainan am südlichsten Zipfel Chinas und lassen dort unter Palmen, Cocktail schlürfend unsere Seelen in frischer Meeresluft baumeln 😎

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