Transsib Moskau – Irkutsk / Teil 2 / Willkommen in Asien

Willkommen in Asien_P1000316

In der Nacht überquerten wir unbemerkt die Grenze des Europäischen Kontinents zum Asiatischen. Diese Grenze bildet das Uralgebirge, von welchem die meisten die Vorstellung haben, dass wenn sie mit der Transsib dieses Gebirge durchqueren eine Fahrt durch Berge erleben. Doch die Transsib passiert den Ural an einer flachen weiten Stelle die eine sanfte hügelige Birkenlandschaft ist. Es ist ein besonderer Moment, auf dem Landweg mit dem Zug vom einen auf den anderen Kontinent zu gelangen.

MaNa, Willkommen in Asien!

Dieses Ereignis verschliefen wir zum grössten Teil. Dafür war das Erwachen umso ereignisreicher. Am Morgen weckte uns nämlich fleischartiger Geruch aus unseren Träumen…

Mihail hat Hunger und packt ein glibberiges, weisses Etwas, einen Speck nur bestehend aus Fett, russische Salami und einen ganzen Schinken aus! Elena tut es ihm gleich und stellt auch ihre Leckereien auf unser kleines Abteiltischchen. In Russland ist es so, dass wenn jemand Essen auspackt tun es ihm die anderen gleich. Niemand isst alleine vor sich hin! Da wir dies mittlerweile auch wissen, können wir endlich mal unser vieles Essen auftischen! Falsch gedacht! Am Schluss verspeisen wir mehrheitlich nur die russischen Sachen von Elena und Mihail! Sie „zwingen“ uns praktisch dazu und wir werden gemästet wie 2 Schweinchen! :-) Im Gegenzug waren unsere Produkte aus der Schweiz nicht so der Renner! Blevita, Bärentatzen und Malbuner-Fleischkäse fanden kaum Anklang. Nur unser neu gekauftes, russisches Brot und die gekochten russischen Eier waren schnell weg… ;)

Das grosse Fressen_P1000310So geht es dann die nächsten Stunden und Tage weiter, amüsante Unterhaltungen à la Tabu, (fr)essen, kurz bei den Stopps die Beine vertreten bei Tag oder bei Nacht, neues Essen auf den Bahnsteigen kaufen, Essen, Schlafen… und so weiter und so weiter. Die Stunden vergehen und wir verlieren völlig das Zeitgefühl. Die „Moskauer-Zeit“ lässt grüssen! Auf einmal wird es schon um 14.00 Uhr dunkel, dann wieder um 04.00 Uhr Tag. Mit Elena und Mihail vergehen die Tage wie im Fluge und wir geniessen die Zeit sehr mit unseren 2 neuen russischen Bekannten.

Wohlfühltemperatur_IMG_7763Auch etwas Typisches in der Transsib ist die hohe Innenraumtemperatur. Die digitale Anzeige schwankt meistens zwischen 22c – 25c, was legere Kleidung erfordert. Dies hört sich grotesk an bei Aussentemperaturen von zeitweise -19c! Daher steigen bei den Stopps die Passagiere, inklusive wir zwei, nur in Trainerhosen und Badelatschen auf den Bahnsteig um frische Luft zu schnappen, die Füsse zu vertreten oder kleine Einkäufe zu erledigen. Ganz toughe Russen rauchen sogar ihre Zigarette im Freien nur mit T-Shirt, wir bevorzugen wenigstens am Oberkörper unsere warmen Jacken. Unser Erstaunen wurde aber noch getoppt von den Eis (Glacé) Schleckenden. Dies scheint aber nur uns ungewöhnlich, gilt der Eis-Verzehr in ganz Russland das ganze Jahr hindurch doch als etwas ganz normales.

Bei einem Stopp hilft uns Elena beim Kauf eines geräucherten Fisches und kauft selber auch noch einen ein. Kaum zurück im Zug, wir alle waren vor der dem Stopp gerade dabei unsere zubereiteten Instant-Nudelsuppen zu essen, stand schon wieder ein Festschmaus an! Mihail zerteilte fachgerecht die 2 gekauften geräucherten Fische und so schlemmten wir auch noch diese weg.

Fischkauf_P1000336Der Fisch wird zerteilt_P1000341unser Festschmaus_P1000347Bei einem anderen Stopp wird Manu von Mihail dazu verleitet nach russischer Art den Bahnhof zu erkunden: Quer über die Bahngleise und Perrons zu springen um schliesslich, dank einem kurzen Spurt, wieder in unserem Wagen zu sein bevor der Zug den Bahnhof verlässt. Und das ganze natürlich in der Nacht in Badelatschen und bei -15c!

nächtliche Bahnhofserkundung_IMG_7737Nach einem weiteren Stopp machte Elena sogar einen frischen Tomaten-Gurken-Zwiebel-Salat (natürlich auf dem Perron gekauft!) und Mihail steuerte sein delikates „Sonnenblumen-Öl“ aus seinem 7.5 Liter Kanister hinzu.

Salat à la Elena_P1000380Beim Stop in Omsk traf Elena Verwandte. Und was brachten ihr diese wohl mit? Natürlich etwas zu Essen. Wieder kamen wir in den Genuss eine russische Spezialität zu probieren. Piroschkas, die eine Hälfte mit Kohl und Ei Füllung und die andere Hälfte mir gehacktem Rindfleisch.

Elenas Verwandte_IMG_7717yummie yummie!_P1000365Zum Essen gehört auch Trinken und an was denkt man da in Russland? Genau, an Tee! :-) In unserem Abteil herrscht das Motto: russischer Schwarztee mit viiiiel Zucker statt Wodka. Heisses Wasser für Tee (oder auch für Instant-Suppen) kann man rund um die Uhr vom Samowar (Boiler mit abgekochtem Wasser) holen. Jeder Wagen hat einen eigenen Samowar was typisch für die russischen Züge ist. Sollte der Boiler mal kaputt sein, wie es bei uns der Fall war, kümmert sich die Zugsbegleiterin sofort darum heisses Wasser in Teekrügen herbeizuschaffen. In der Zwischenzeit repariert ein Mechaniker den Samowar, tauscht die Heizelemente aus und schon funktioniert das Teil wieder.

So ein Samowar ist wunderbar!_P1000369Die Provodnizas kümmern sich aber nicht nur um heisses Wasser, die Ticketkontrolle, oder den Gang zu staubsaugen, sie befreien auch bei den Zwischenhalten die ganzen Fahrwerke von der Eisschicht.

Die grosse Befreiung_P1000362Provodniza am Werk_P1000361Zudem ist auf dem Perron ein emsiges Treiben um den Zug zu beobachten: Eine Heerschar von Leuten macht sich über den Zug her, die einen kontrollieren die Bremsen, andere die Kupplungen, wieder andere füllen Wasser auf, andere pumpen Abwasser ab… . Alles scheint wunderbar organisiert und pünktlich ist unser Zug auch noch! :-) So kommen wir auf die Minute genau in Irkutsk, der Hauptstadt Nordsibiriens an.

 


Kommentare

Transsib Moskau – Irkutsk / Teil 2 / Willkommen in Asien — 8 Kommentare

  1. Hi Cousine, ciao Manu
    super interessante Berichte; da habt ihr ja schon einiges erlebt in dieser kurzen Zeit.
    Faszinierend sind u.a. die Fotos von euren Mahlzeiten…hmm…diese Reise wär ja was für mich. Ich hätte bestimmt schon 10 Kilo abgenommen :-)
    Machts weiterhin gut, en Gruess Christian

    • Ja so eine Reise ist halt nichts für verwöhnte Gaumen! ;-) Weitere “leckere” Bilder werden bestimmt folgen! Geniesst die Weihnachtszeit mit den Girls! LG MaNa

  2. Hallo ihr beiden. Da kommen Erinnerungen auf! Wir hatten allerdings einiges wärmeres Wetter. Ich werde euren Blog sofort abonnieren und die Reise mitverfolgen – cool! Danke für die E-Mail mit dem Link.

    In Listvianka: bis ans Ende der Strasse gehen und dann durch die Gitter hindurch, da landet ihr auf einem Schiff-Friedhof mit coolen Motiven für Fotos! :)

    Gruss,
    Sam

    • Bitte gern geschehen! :-) Also die vorbeiziehenden Winterlandschaften in der Transsib waren sehr schön, Listvyanka bei uns sehr ruhig da Nebensaison und der Schiffsfriedhof haben wir gefunden! Nur Fotos schiessen war/ist eine Tortur-für unsere Finger! ;-) LG MaNa

  3. Hallo ihr zwei Turteltauben
    Hopp, hopp, jetzt ist dann wieder einmal Bewegung angesagt, ausser fortwährendem Essen und Trinken, sonst setzt ihr zuviel Speck an, haha….Sehr interessant eure Impressionen. Winterliche Grüsse aus der Schweiz
    VaMu

    • Also wir bewegen uns im Fall seehr viel! Vom Bahnsteig zum Hostel und umgekehrt! Hehe! ;-) Und wir sind übrigens die einzigen 2 die bei so eisigen Temperaturen so lange draussen anzutreffen sind! Die Einheimischen hinter den Scheiben in den warmen Stuben lachten sich sehrwahrscheinlich den Buckel voll über uns…! :-)

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