Transsib Moskau – Irkutsk / Teil 1 / Wir reisen nicht alleine

Abfahrt in Moskau_IMG_7702

Unser Transsib Abenteuer kann beginnen. Auf unserer ersten von drei Etappen, von Moskau bis Irkutsk, stehen uns 75 Stunden Fahrt mit 4 Übernachtungen im Zug bevor und 5´191 Kilometer. Zudem wechseln wir 5 Mal die Zeitzone was heisst, dass wir bis Irkutsk unsere Uhren 5 Stunden vorstellen müssen gegenüber der „Moskauer-Zeit“, der „Trainlag“ lässt grüssen! Gut zu wissen ist, dass im Zug und den Bahnhöfen entlang der Transsib-Strecke IMMER „Moskauer-Zeit“ herrscht unabhängig der jeweiligen Zeitzone. Praktisch ist zwei Uhren dabei zu haben, eine mit „Moskauer-Zeit“ und die andere für die aktuelle Lokalzeit, was die „Zeitrechnung“ im Zug etwas vereinfacht.

Der Wagen Nummer 5_P1000358Voller Spannung besteigen wir kurz vor Mitternacht im Zug Nummer 2 den Wagen 5 und werden von der sympathischen Provodniza (Wagenbegleiterin) zum Abteil Nummer 5 verwiesen (jeder Wagen hat übrigens seine eigene Begleiterin). Wir sind sehr überrascht über die Modernität des Wagens und die sehr praktische Einrichtung im Abteil. Sogar mit Flachbildschirm über dem Eingang! Hätten wir eigentlich nicht erwartet nachdem unsere Anreise nach Moskau in einem viel älteren russischen Wagen stattfand und wir dort dachten, dass die Russen für internationale Fahrten sicher die modernen Wagen verwenden.

Im Abteil hat es vier Betten, wir sind zu zweit, bleiben die anderen zwei Betten womöglich frei für uns? Kaum gedacht schwingt ein stämmiger Russe seine grossen Taschen ins Abteil, schaut uns halb grimmig an und verschwindet wieder. Umgehend werden weitere Gepäckstücke ins Abteil gewuchtet. Dieses Mal von der Begleitung einer zierlichen Frau in weissem Pelzmantel (was sonst), Goldtasche und Stöckelschuhen mit goldenen Kappen. Uns wird klar, dies sind unsere „Leidensgenossen“ für die erste Transsib-Etappe.

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr_IMG_7697

BЛAДИBOCTOK heisst übrigens Wladiwostok

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr verlässt der Original Transsibirische Zug POCCИЯ (Rossja) um 23.45 Uhr „Moskauer-Zeit“ den Jaroslawer Bahnhof auf der ursprünglichen Route von Moskau nach Wladiwostock. Der Mythos Transsib beginnt!

Wir richten uns in „unserem“ Abteil ein wie auch unsere Abteil-Genossen. Dann beginnt das grosse gegenseitige Beschnuppern! :-) Schnell wird uns klar, dass dies 75 lustige Stunden werden. Mihail der stämmige Russe spricht nämlich so gut wie kein Englisch und Elena auch nur ein paar Wörter mehr. Sie scheinen aber sehr interessiert an uns zu sein und schon sitzen wir alle zusammen um das kleine Abteiltischchen und versuchen uns mit Händen, Füssen und einigen Brocken Russisch sowie Englisch zu unterhalten. Schnell vergehen 2 Stunden in dieser lustigen Runde und trotz wenigen Sprachkenntnissen, dafür mit vielen pantomimischen Fähigkeiten, erfahren wir schon einiges über sie.

Die gesellige Runde_IMG_7723Elena erzählt uns, sie sei Soldatin und arbeite bei der Grenzwache zur Ukraine. Aus „Witz“ zeigen wir ihr unsere Schweizer Pässe. Mit einem strengen Blick und Kenntnis aller Sicherheitsmerkmale „kontrolliert“ sie unsere Pässe. Endlich fand die „russische Grenzkontrolle“ statt! :-)

Sie wohnt mit ihrem Ehemann in der Nähe von Moskau, hat eine 25-jährige Tochter und besitzt eine Datscha auf dem Land wie praktisch jede russische Familie. Eine Datscha ist vergleichbar mit einem Schrebergarten nur viel viel grösser! Elena’s Datscha misst stolze 5´400 m2! Sie besucht nun eine Freundin in Belogorsk (2‘682 km weiter als Irkutsk!). Damit übertrifft sie uns mit 1.5 Tagen mehr im Zug!

Mihail, der russische Naturbursche und Fahrleitungsmonteur auf der Transsib-Strecke, übertrumpft uns sogar mit 3 Tagen mehr. Er wird gut 7 Tage im Zug sein (nochmals 1´324 km mehr als Elena) bis zu seinem Wohnort Ussurijsk! Ussurijsk, wo sich der sibirische Tiger und Bär gute Nacht sagt, liegt am hintersten und untersten Zipfel Russland, 100 km nördlich von Wladiwostok. Wie wir von ihm erfahren, lebt er mit seiner Frau und seinem 12-jährigem Sohn sehr ländlich und beheizt sein Haus noch mit Holz. Er geht viel Jagen und Fischen und hat viele Überlebenstipps für in der Taiga parat. (Manu würde ihn am liebsten für ein Jahr begleiten! ;) )

Um euch das zusammenrechnen der Teilstrecken zu ersparen, die Transsib-Strecke von Moskau bis Wladiwostok misst unglaubliche:

9´297 km

Es lässt sich erahnen, wir gingen spät zu Bett in dieser Nacht und schliefen auf den pritschenartigen Betten erstaunlich gut. Der Transsib-Zug fuhr auf jeden Fall leiser und weniger ruckelig als der Zug von Basel nach Moskau.


Kommentare

Transsib Moskau – Irkutsk / Teil 1 / Wir reisen nicht alleine — 2 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei
    Durch eure Berichte möchte man ja gerade wieder jung sein. Nur dannzumal war so was ja fast nicht möglich. Ich wünsche euch weiterhin gute Gesellschaft und viele neue Eindrücke. Herzliche Grüsse Irene

    • Aber Irene, zum Reisen ist man doch nie zu alt! Und heute geht es ja zum Glück auch noch viel einfacher. Also hopp! Koffer packen und los. Dein Traumziel wartet schon auf Dich! 8-)

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