Relaxen an der Riviera

Sashas Guesthouse

Nach einer problemlosen und ruhigen Rückreise von Olchon nach Irkutsk, dieses Mal nur mit Einheimischen im Minibus, erwischen wir gleich am Busbahnhof den nächsten Minibus nach Listvyanka, einer der touristischsten Orte am Baikalsee. Im Sommer versteht sich!

Die Fahrt dauert dieses Mal nur eine Stunde, dafür in einem völlig überhitzten (sicher über 30c!) und gut gefüllten Minibus. Völlig durchschwitzt, mit den Rucksäcken auf unseren Knien und nach frischer Luft lechzend erreichen wir Listvyanka. Dann der Temperaturschock! Draussen -30c! Ist ja fast wie bei einem Saunabesuch! Ohne jegliche Vorreservierung, es ist ja Low-Season, klopfen wir bei Sasha’s Guesthouse an. Gemäss unserem Reiseführer das erste B&B im Ort und eines der Schönsten. Er sollte Recht behalten! Die sehr sympathische und immer fröhliche (ja das gibt’s in Russland!) Inhaberin Rita und Ihr Ehemann Sasha, dessen schallendes Lachen durch alle Wände dringt, boten uns gleich ein Zimmer an. Der Deal ist super gut! Für 750 Rubel (CHF 23.50) pro Person kriegen wir ein Doppelzimmer plus ein leckeres Frühstück dazu! Alles ist super sauber, super gemütlich und das grossräumige, 2-stöckige Blockhaus versprüht eine „heimelige“ Atmosphäre! Nebst einem mongolischen Pärchen, das aber nur eine Nacht buchte, haben wir sogar noch den ganzen Aufenthaltsraum für uns allein.

Listvyanka selber hat man eigentlich schnell gesehen. Auf 5 km dem Ufer entlang verteilen sich Cafés, Restaurants, kleine Souvenirshops, Supermärkte und leider auch einige hässliche nicht ins Ortsbild passende Hotels und andere üble Gebäude *uargh*! Doch wir entscheiden uns trotzdem 5 Tage hier zu bleiben, denn man kann schöne Spaziergänge machen, die Luft ist viel frischer als in Irkutsk und bei Sasha und Rita lässt es sich wunderbar relaxen! 8-) Und zudem ist eben der Deal super! Haben wir in Irkutsk für das erste Hostel gleich viel bezahlt aber für viel weniger Komfort, dafür mit mehr Lärm und auch noch ohne Frühstück!

Die Temperatur sinkt merklich! Sogar Sasha und Rita meinen, es sei „abnormal“ kalt und trotzdem wagen wir uns raus, sind ja schliesslich schon Olchon-erprobt! Gemütlich schlendern wir der „Riviera“ entlang mit Blick auf den Baikal und können uns bildhaft vorstellen was für eine lebhafte Atmosphäre hier im Sommer herrscht.

Die Riviera nordwärts_IMG_8117Die Riviera_IMG_8119Die Riviera südwärts_IMG_8118Auf dem kleinen Markt im Freien kaufen wir voller Vorfreude einen geräucherten Omul um ihn auch gleich in einem Cafe beim Markt zu verzehren. Doch oha! Der ist ja gefroren! Wie 2 Deppen sitzen wir vor dem steinharten Fisch und raten hin und her, wie die Russen den wohl essen. Der Wirt kommt uns zur Hilfe und bietet seine Mikrowelle zum Auftauen an. Leider ist er so hart, dass er danach immer noch halbgefroren vor uns liegt… . Mit dem Schweizer-Sackmesser kann Manu wenigstens Stück für Stück abschneiden und wir können unseren Kauf doch noch geniessen. Schmeckt wie ein Eis mit Fischgeschmack! ;)

Omul gefroren_P1000588zum Glück gibt es das Schweizer Sackmesser_P1000589Apropos Essen! Unser „kulinarisches Highlight“ in Listvyanka sind 2 Fertig-Nudelsuppen! Nach einer nächtlichen Odyssee auf der Suche nach einem naheliegenden Restaurant kapitulierten wir, da keines geöffnet hat und es wieder einmal a…kalt war um weiter entferntere Lokale aufzusuchen. Aber dank den russischen Öffnungszeiten können wir uns auch noch spätabends in einem putzigen Supermarkt mit etwas Brot und den Nudelsuppen eindecken. Bon Appetit! ;)

Am sonnigsten Tag machen wir uns auf zur Sternwarte, die am nördlichen Ende von Listvyanka auf einem Hügel steht. Ein 1.5 h Walk durch einen verschneiten Wald, immer wieder den blauschimmernden Baikal im Blickfeld. Oben angekommen geniessen wir die wunderschöne Aussicht und kriegen vom vielen Fotografieren mal wieder gefrorene Finger! :-)

Ausblick von der Sternwarte_P1000623Auf dem Spaziergang mit unserem neuen Freund_IMG_8104hat der nicht etwas von Manu_P1000636Zurück an der listvyankischen „Riviera“ sehen wir gerade noch einen Russen in Badehose der dem Baikal entsteigt und sogleich in sein warmes Auto hüpft! *Brrr* Bei diesem Anblick friert uns gleich noch der Rest ein!!! Neben ihm gibt es angeblich noch ganz viele weitere „Walrosse“, wie die Russen spöttisch die Schwimmer nennen, welche sich sogar auch in Löcher im gefrorenen Baikal stürzen. Uns genügt schon die Vorstellung um blau anzulaufen.

Etwas entfernt, wo sich kaum ein Tourist hinwagt, entdecken wir einen wunderschönen Strand. In unseren Gedanken sehen wir uns hier liegen an einem warmen Sommertag mit einem kühlen Bier!

Das Baikal Museum_P1000556Auch ein Besuch im Baikal-Museum darf nicht fehlen! Obwohl, abgesehen von der Eingangstafel, praktisch nichts auf Englisch beschrieben ist, erfahren wir doch sehr viel über die Entstehung des Baikal und das Leben mit dem See. Die immense Vielfalt von Flora und Fauna ist wirklich faszinierend! Wir kriegen sogar einen kurzen Biologie-Unterricht wo wir mit dem Mikroskop Köcherfliegen, Plattwürmern und sonstige Kleinstlebewesen die im Baikalwasser leben, beobachten können. Und wir tauchen sogar auf einer virtuellen U-Bootfahrt an den tiefsten Punkt des Baikals ab. Neben den Aquarien, in denen wir die Fische vom Baikal zu sehen bekommen wie zum Beispiel den „leckeren“ Omul, schauen wir in einem Becken den 2 süssen Baikalrobben, genannt Nerpas zu. Doch leider ist dieses Becken viel zu klein! Die Nerpas hätten wir lieber in Freiheit gesehen! :-(

armer Nerpa_P1000574Für die Rückfahrt nach Irkutsk gibt es eine positive Überraschung. Rita und Sasha empfehlen uns den grossen Reisebus zu nehmen anstelle eines Minibusses. Diesen haben wir auf der Hinfahrt gesehen und gedacht, dass dies wohl die teuerste Variante sein muss um nach Listvyanka zu kommen. Doch falsch gedacht! Der komfortable, angenehm warme, nicht so stickige Grosse kostet gerade mal die Hälfte (50RUB = 1.60CHF). Das können wir uns gerade noch leisten! ;)

Zurück in Irkutsk machen wir es uns gemütlich in einem Café um dort zwei Weltenbummler, zu treffen. Lena und Bernd „kennen“ wir durch ihren Reiseblog globetrotting.eu den wir schon seit längerer Zeit verfolgen. Wir sind eben auf unsere Reise gestartet, Lena und Bernd nach 17 Monaten auf der Rückreise. Wie es der Zufall so will kreuzen sich unsere Wege ausgerechnet in Irkutsk. Die Welt ist definitiv zu klein! ;-) Nach einem viel zu kurzen Treffen, wir hätten noch stundenlang ihren Reiseerlebnissen zuhören können, trennten sich unsere Wege leider schon wieder!

So wie wir in Irkutsk angekommen sind verlassen wir es auch wieder! Frühmorgens am 10. Dezember, in gewohnt klirrender Kälte, stapfen wir durch die noch menschenleeren Strassen zum Bahnhof, wo wir den zweiten Teil unseres Transsib-Abenteuers in Angriff nehmen…

 


Kommentare

Relaxen an der Riviera — 4 Kommentare

  1. Hallo zusammen. Fühlen uns gerade wieder nach russland versetzt. Waren im genau gleichen guesthouse gewesen :-) . War wirklich super dort. Wünschen frohe weihnachten. Sind nun die letzten tage in kambodscha. Gestern hat es seit gut 6 wochen wieder mal geregnet bei etwa 32 grad ;-) .

    • Na so ein Zufall! :-) Wir Schweizer wissen halt wos schön ist! ;-) Falls ihr noch mehr gute Guesthouse/Hostel Tips habt-nur her damit!Sind immer noch in UB bei -35c! Freuen uns nun auf wärmere Gefilde..! Euch auch ganz schöne Weihnachten in Cambodia!

  2. Hoi zämä, bin ein totaler Fan von euch,spannend was ihr erlebt.War 1974 in der Gegend, da war noch alles anders.In Listvyanka war nur das Museum.Wünsche euch frohe Feiertage und viele Grüsse aus der warmen Stube.

    • Hoi Käthi! Ja das glauben wir gerne, dass 1974 Listvyanka noch ein wenig anders ausgesehen hat! :-) Leider ist vieles durch unansehnliche Gebäuden verbaut.. Nichts desto trotz haben wir unseren Aufenthalt dort genossen. Wünschen Dir und Deinem Mann auch ganz schöne Festtage in der warmen Schweiz! Herzliche Grüsse

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