Olchon, mystische Insel am geheimnisvollen Baikalsee

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Um es gleich vorweg zu nehmen, wir sind auf der Insel Olchon angekommen! :-) Bevor wir abreisten gab es nämlich sehr widersprüchliche Informationen darüber, ob dies für uns überhaupt möglich sein wird. Da hiess es einmal: Wird kaum gehen da der Baikal dann zugefroren ist! Oder: Es geht sicher nicht weil wir gerade dann dort sind, wenn der See am zufrieren ist und dadurch die Fähre nicht in Betrieb ist. Bis zu Informationen, dass zu dieser Jahreszeit in der Nebensaison gar keine Busse nach Olchon fahren weil ja gar niemand dort hin will. Stimmt alles nicht!

Es ist zu dieser Jahreszeit ohne Probleme möglich Olchon zu besuchen! Es fahren regelmässig Busse nach Chuschir, dem Hauptort auf Olchon und die Fähre verkehrt mehrmals täglich. Der See gefriert erst Mitte Januar vollständig zu und dann wird die „Eispiste“ eröffnet und man fährt „gemütlich“ über das bis zu 1,5Meter dicken Eis.

Nun aber von vorne! Gestartet sind wir von Irkutsk in einem Minibus der uns und einige andere Backpacker von unserem Hostel abholte. Der 1. Stopp liess nicht lange auf sich warten! Schon nach kurzer Fahrt durch den Irkutsker-Morgenverkehr hielten wir am Busbahnhof und warteten (vermutlich auf noch mehr Gäste?). Der Bus war mit einem Belgier, 3 Franzosen und unserer Wenigkeit plus „Backpacker-Gepäck“ schon ziemlich voll, aber auch hier lautet das Motto: Jemand passt immer noch rein! Wir warteten sicher eine geschlagene Stunde bis noch eine Frau, leicht irritiert über uns, einstieg. Dann ging es endlich los. Und wie! Der Fahrer fuhr wie der Teufel persönlich! Zum unserem Glück, oder auch nicht, waren die Scheiben so vereist dass wir nicht raussahen. Somit liessen sich die waghalsigen Überholmanöver nur erahnen… . Plötzlich hielt er an, stieg aus, öffnete die Motorhaube, zückte sein Handy und telefonierte. Das kann nichts Gutes bedeuten! Dann hiess es: Alle aussteigen! Ein anderer, bereits gut gefüllter Minibus hielt an und wir „durften“ unser ganzes Gepäck wieder einladen. Wie gesagt: Es passen immer noch welche rein! Wir fuhren aber nicht wie gedacht mit diesem Minibus weiter. Nein, er fuhr uns nur bis zum nächsten „Roadhouse“ (Tankstelle mit Restaurant) wo wir unser Gepäck wieder ausluden. Unser „genialer“ Fahrer bestellte sich was zu essen und wir, die Backpacker-Truppe plus die Frau, mussten wohl oder übel wieder einmal warten auf was auch immer! Da wir nicht die Einzigen sind die einen Fressalien-Sack mit sich rumschleppen gab es eine „Teilete“ unter Backpacker und wir guckten als Zeitvertreib Jersey-Girl auf Russisch! :-)

Roadhouse im nowhere_IMG_7833Essen Teilete_IMG_7827Nach 1.5 Stunden tat sich auf einmal etwas! Der Fahrer gab uns zu verstehen, dass es weitergeht! Draussen wartete ein anderer Minibus mit neuem Fahrer! Wieder einmal das Gepäck neu verladen und dann ging es endlich weiter Richtung Fährverladestelle. Dieses Mal aber in angenehmem Tempo.

Das grosse Umladen_IMG_7820Die Landschaften die an uns vorbeizogen waren sehr reizvoll und der Himmel wolkenlos. Nach langer Fahrt kamen wir an der Fährverladestelle an und hier hiess noch einmal warten… . Die Fähre verkehrt sehr unregelmässig, vermutlich nach dem Lust und Laune Prinzip! Zum Abfahrtszeitpunkt schaukelt sie nämlich noch gemütlich auf der anderen Seite vor sich hin und machte keine Anstalt überzusetzen.

Olchon ist in Sichtweite_IMG_7856So warteten wir in der Wärme des Minibusses, hüpften zwischendurch mal raus für Fotos und wieder rein. Dann endlich war es soweit, die Fähre setzte zu uns über, lud die wenigen Autos auf und nach kurzer Fahrt erreichten wir die Insel Olchon! Mittlerweile war es schon zappenduster geworden und nach der nicht enden wollenden Fahrt über Schotterpisten, erreichten wir Chuschir doch noch. Kaum zu glauben! Dort wartete auch schon unsere „Gastmutter“ Olga auf uns die uns für die nächsten Tage beherbergt.

Willkommen bei Olga_IMG_7874die Häuser von Olga_IMG_8065Hungrig stürzten wir uns auf das vorgesetzte Abendessen, dass überraschenderweise total lecker war und ganz nach russischer Sitte sehr reichlich! Gut genährt schliefen wir, geformt wie eine Banane, auf den durchgelegenen Schaumstoffmatratzen ein…

Manu die Banane_IMG_7867Olchon ist mit einer Länge von 72km und 14km Breite die grösste von 22 Inseln im Baikal. Steppen, Sanddünen, warme Quellen und Wälder bilden eine abwechslungsreiche Landschaft. Der Berg Schima ist mit seinen 1’274 Metern die höchste Erhebung. Auf der Ostseite fällt die Bergflanke steil ab und setzt sich unter der Wasseroberfläche fast senkrecht weiter. Am Grund angekommen ist der Baikal 1’637 Meter tief und somit der tiefste See auf der Erde! Doch die Tiefe ist nicht das einzige gewaltige am Baikal. Seine Länge misst 636 Km und die Breite bis 80 km. Er ist der grösste Süsswassersee und fasst 1/5 des gesamten Süsswassers der Erde! Alle Flüsse der Erde bräuchten ein Jahr, um ihn zu füllen. Die Wasserqualität ist überdurchschnittlich sauber und das Wasser kann guten Gewissens direkt aus dem See getrunken werden. Auch die Oberfläche ist mit 31’500 km2 gewaltig. Der Baikal und insbesondere die Insel Olchon bergen viele mystische und spirituelle Orte. Wie zum Beispiel der Schamanenfelsen bei Chuschir. Er wird häufig als Symbol des Baikal bezeichnet und wurde bereits schon vor Jahrhunderten als Heiligtum und Sitz der Götter verehrt und gefürchtet.

Nach einem sehr üppigen Frühstück machen wir uns auf um durch die „Strassen“ von Chuschir zu schlendern, das erst seit 2007 mit Strom versorgt wird. So wie es aussieht, sind wir die zwei einzigen „Deppen“ die sich in dieser Kälte rauswagen um einfach so die Gegend zu erkunden. Die Einheimischen gehen bei dieser Kälte nur raus wenn sie wirklich müssen. Na ja! Wir wollen ja was sehen! Aber Halt! Wir sind doch nicht die einzigen, streunende Hunde und freilaufende Kühe kreuzen unseren Weg. Strammen Schrittes cruisen wir durch die „Strassenschluchten“ auf den nichtasphaltierten Naturstrassen aus Sand und Kies. Die “Strassenschluchten” bestehen aus mannshohen Holzzäunen und farbigen Eingangstoren. Jedes Grundstück ist umzäunt und die traditionellen, maximal 2 geschossigen Holzhäuser sehen sich hübsch an. Einige sind sehr baufällig und es ist kaum zu glauben, dass darin wirklich jemand wohnt. Andere sind schon etwas in die Jahre gekommen und durch die Sonne schwarz gegerbt. Wieder andere sind brandneu aber immer noch als Blockhäuser gebaut. Es gefällt uns, dass keine einzige „Bausünde“ das Ortsbild trübt und wir immer wieder von bellenden Hunden auf den Grundstücken begrüsst werden ;)

Chuschir_P1000415Chuschirs Strassenschluchten_P1000404Die hübschen Häuser und ihre Holzzäune_P1000409Gleich an das Dorf angrenzend sichten wir wunderschöne Sandstrände, bedeckt mit einer feinen Schneeschicht. Doch mit den ersten Eisschollen im Wasser ist es nicht gerade Badewetter.

Der Badestrand für Hartgesottene_IMG_8075Wir sind doch nicht die einzigen Menschen draussen! Im kleinen Hafen sind Fischer dabei ihr Schiff aus dem Eis zu schlagen, andere stehen auf Deck und machen die Netze bereit. Am Ende des Steges steht ein grosses verrostetes Schiff. Wie wir erfahren, ist der grösste Teil der Bewohner arbeitslos und der andere Teil lebt vom Fischfang oder vom Tourismus. Daher sind die wenigen Touristen in der Wintersaison eine willkommene Einnahmequelle.

Blick auf den Hafen_P1000524Der vereiste Anlegesteg_IMG_8050Vom Hafen aus begeben wir uns zum sagenumworbenen Schamanenfelsen der auch eine heilige Stätte für die Bewohner ist. Eine eisige Brise bläst uns ins Gesicht und es ist ein Ding der Unmöglichkeit, Fotos zu schiessen ohne gleich gefrorene Finger zu kriegen. Während Nadine ihre Finger in den Handschuhen lässt nimmt Manu die gefrorenen Finger in Kauf…! ;)

Auf dem Weg zum Schamanenfelsen_IMG_7890Der Schamanenfelsen_IMG_7898Als Krönung unseres Besuches auf Olchon machen wir eine Tour zum Kap Choboi, an den nördlichsten Punkt der Insel der auch eine weitere heilige Stätte ist. Für russische Verhältnisse starten wir sehr früh, 11 Uhr! :-) Im coolen russischen 4WD „VW-Bus Modell“ tuckern wir los.

Auf zum Kap Choboi_IMG_7934Das Kap Choboi liegt mit einer Distanz von rund 30 km relative nahe an Chuschir, doch uns wird schnell klar, dass dies keine Sonntagsfahrt wird. Unser Guide Sergei manövriert den Bus gleich ausserhalb des Dorfes in den Wald! Die Geländegängigkeit des russischen „VW’s“ reizt er voll aus und unsere Innereien werden ziemlich durchgeschüttelt. Querfeldein durch Wald und Steppe, Hügel hoch und runter bringt er uns zu wundervollen Plätzen.

Fahrt über weite Ebenen_IMG_7966Stopp am Eisstrand_IMG_7937Der Eisstrand_IMG_7945verschneite Ebene_IMG_8036Als Lunch reicht uns Sergei einen leckeren, gebratenen Omulfisch, dieser ist endemisch im Baikal, und ein Butterbrot!

schmeckt besser als es aussieht_IMG_8014Die Tour ist so abwechslungsreich wie die Insel selbst. Stahlblauer Himmel, gleissender Sonnenschein, Schneegestöber, wolkenverhangen, einmal sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und dann steht plötzlich eine Herde wilder Pferde auf einer weiten Ebene.

Wilde Pferde kreuzen unseren Weg_IMG_8031Das Kap Choboi ist eine Tour wert, der Ausblick auf den Baikal grandios. Wir stehen da, blicken auf den See ohne dessen Ende zu sehen und sind nur sprachlos. Es ist für uns unvorstellbar, dass diese Fläche bis Mitte Januar zufrieren soll. Eigentlich müssten wir hier bleiben und miterleben wie der See zufriert um dies zu verstehen und zu glauben. Wir haben schon Fotos gesehen und die eine oder andere Geschichte über das Leben mit und auf dem Eis gehört, doch das wäre bestimmt eine weitere Reise wert.

Kap Choboi in Sichtweite_IMG_7981MaNa am Kap Choboi_IMG_8008Blick zurück vom Kap Richtung Süden_P1000494Auch ein Highlight ist der Besuch von Olga‘s Banja! Banja ist eine russische Dampfsauna die mit einem Holzofen beheizt wird. Olga‘s Banja besteht aus dem Schwitz-/Dampfraum und dem Erholungsraum der sogleich auch der Waschraum ist. Aus einem riesigen Bottich schöpfen wir Wasser und mischen es mit heissem Wasser aus dem Boiler über dem Holzofen auf. Denn in einer Banja wird nicht nur geschwitzt, dort wäscht man sich auch. Was für eine Wohltat für unsere gefrorenen Glieder!

Olgas dampfende Banja _P1000439Mit Wehmut und vielen Eindrücken verlassen wir nach 4 Tagen diese spannende und vielfältige Insel.

Olga’s Guesthaus können wir wirklich wärmstens empfehlen! Man kriegt einen guten authentischen Einblick in das Leben dieser Familie. Zumal es bei ihr nebst einem Plumsklo (üblich auf der ganzen Insel) jetzt auch ein chemisches WC und eine Dusche gibt! :-) Das Essen bei Olga war genau so gewaltig wie der Baikal und die atemberaubenden Landschaftsbilder! Ein kulinarischer Höhepunkt jagte den anderen! Wären wir bei Gault-Millau würden wir ihrer Köchin Elena die volle Punktzahl verleihen.

frische Omul_IMG_8045Volle Gault-Millau Punktzahl für Omul mit Kartoffelstock_P1000522

 


Kommentare

Olchon, mystische Insel am geheimnisvollen Baikalsee — 6 Kommentare

  1. Hallo, Ihr beiden Abenteurer! Herzliche Grüße aus Berlin… :-) )
    Na, so ein Zufall, dass ich auf diesen wunderschönen Reisebericht gestoßen bin..!
    Microsoft bietet mir alle 2-3 Tagen tolle Fotos an, u.a. jetzt auch ein Foto von
    Insel Olchon/RU. Da wurde ich neugierig und fand Euren Link. Ich bin begeistert,
    wegen der wunderschönen Fotos und den dazu geschrieben Texten.
    Ihr seid ja wahre Weltenbummler..!! Für die Zukunft weiterhin alles Gute!!
    Leider kann ich mit meinen 81 Jährchen solche Touren nicht mehr unternehmen.. :-(
    Ich habe von 1957 bis 72 in Südamerika (Chile) gelebt und fast jedes Jahr Reisen
    auf dem Subkontinent unternommen (Brasilien/Amazonas, Argentinien/Pampa, Peru, Kraxeltouren in den Anden etc.
    und natürlich in Chile von Arica bis Feuerland… :-)
    Viele Grüße,
    Jürgen

  2. Bei meiner kleinen Russland/ Sibirien-Recherche bin ich gerade auf Euren Blog gestoßen. Sehr schöne Bilder! Machen schon richtig Lust, wenngleich bei meiner Reise wohl der Schnee und die eisige Kälte fehlen werden…

    • Hi Madlen
      Danke fürs Kompliment! War nicht immer einfach mit gefrorenen Finger gute Fotos zu schiessen! ;-) Wünschen Dir eine gute Reiseplanung und viel Spass in Sibirien!!

  3. привет!

    Ich freue mich immer auf die schönen Fotos und spannende und Humorvolle Texte blökt weiter so.
    P.s Aufnahme von der Sauna bitte mit euch im Bild ..))

    Скоро увидимся!
    поцелуй
    Отец

  4. Hallo, ich sehe nur immer Schnee, Eis und klirrende Kälte, mich frierts nur schon vom Lesen brrrrrrrrr….. das wäre nichts für mich, da hocke ich lieber in der warmen Stube und warte aufs Christkind. Weiter viel Spass. Tschüssli
    VaMa

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