Nur weg hier!

Nur weg hier

Nach unserem Abstecher in den „eisigen“ Norden Chinas erwartet uns, zurück in Peking, statt Sonne sehr dunstiges Wetter! Stop das ist ja kein Dunst, so wie wir das aus der Schweiz kennen! Nein das ist SMOG! :-( :-( :-( Ein bisschen verwöhnt vom vorangegangenen Wetter vor Harbin suchen wir etwas ernüchtert unser neues Hostel. Wir haben uns bewusst für ein Anderes entschieden um noch eine weitere Gegend von Peking genauer kennenzulernen. Das Hostel Qianmen ist sehr zentral gelegen (5 Minuten vom Tiananmen Square entfernt) aber dadurch ist die Lage auch touristischer. Na Ja! Touristisch hin oder her, darum sind wir ja wieder in Peking weil schliesslich noch einige Must-See`s auf dem „Programm“ stehen.

Doch zuerst müssen wir uns um unsere Weiterreise kümmern und uns Zugtickets nach Pingyao besorgen (Als hätten wir es geahnt, verbringen wir einen ganzen Tag damit!). Wie wir nach dem Frühstück im Hostel bei einem Gespräch über Zugsverbindungen und Organisieren von Tickets in Erfahrung bringen, verlangen sie hier eine hohe Gebühr für das Organisieren. Daher beschliessen wir, die Tickets selber direkt am Bahnhof zu kaufen.

Zuerst heisst das aber auf dem Internet recherchieren um einen geeigneten Zug zu finden und danach mit diesen Angaben, per Metro, an den Beijinger Hauptbahnhof fahren. Am dortigen Ticketschalter teilt man uns dann mit es gäbe am gewünschten Datum keine Plätze mehr auf unserem gewählten Zug (einem Direktzug nach Pingyao). Wir versuchen es auch mit früheren oder späteren Daten oder ob es noch andere Züge gäbe, doch die Antwort ist immer: “No, No!” War’s das also?! Wir sind mit unserem „Latein“ am Ende. Zurück im Hostel erklärt man uns dann, es gäbe ein Zugticketoffice gleich schräg gegenüber auf der anderen Strassenseite wo sie vom Hostel aus auch immer die Tickets kaufen! Na toll! Das haben sie uns aber beim Gespräch am Morgen nicht gesagt. Ok! Wir haben ja auch nicht danach gefragt ;-) Nach weiteren Recherchen finden WIR heraus, dass es noch eine andere Zugsverbindung nach Pingyao gibt mit 1x umsteigen. Aber dies hat uns die charmante Dame am Hauptbahnhof natürlich nicht gesagt. Ok! Wir haben ja auch nicht danach gefragt ;-) Mit unserer Variante mit 1x umsteigen, welche wir uns im Hostel auf Chinesisch aufschreiben lassen, klappt es dann schliesslich im gegenüberliegenden Zugticketoffice. Wohlweislich organisieren wir uns auch gleich noch die Tickets von Pingyao nach Xi’an! Wir lernen schnell, nicht? :-D

In Sache Auskunft geben, sind die Chinesen schon ein lustiges Völklein. Sie geben einem lediglich eine Antwort auf die gestellte Frage, studieren aber nicht weiter oder würden einem weitere Möglichkeiten mitteilen… . Und diejenigen die weiter denken sind sehr rar und fallen uns augenblicklich auf und müssen dann all unsere Fragen beantworten. :-P

Wie erwartet ist das Kaufen von Zugtickets in China ein schwieriges, nerviges und vor allem zeitintensives Unterfangen! Tickets jeglicher Klassen sind sehr begehrt und zu allem „Übel“ ist schon „bald“ das chinesisches Neujahr (10.02.2013 welches auch Springfestival genannt wird).

Wie uns schon mehrere Chinesen bislang versicherten, seien gut 3 Wochen VOR und 3 Wochen DANACH die Hölle los auf Chinas Bahnsteigen und all den anderen Verkehrsmitteln. Denn Millionen von Chinesen wollen vom Norden in den Süden, vom Westen in den Osten (oder umgekehrt) zu Ihren Familien und gleichzeitig auch noch Urlaub machen. Eine Völkerwanderung im eigenen Land und MaNa mittendrinn! Juhui das kann ja heiter werden! Spontan reisen ist so wirklich kaum möglich.

Mit den Tickets in der Tasche können wir endlich noch den Rest von Peking anschauen gehen! :-) Den Besuch der verbotenen Stadt haben wir uns nämlich noch aufgespart und die gehen wir jetzt erkunden! Leider ist der Smog allgegenwärtig über der Stadt und in den Strassen, was schöne Fotos machen etwas verunmöglicht. :-(

in der verbotenen Stadt_IMG_9168
der Smog lässt Grüssen_P1010319
kilometerlange rote Mauern und immer wieder Durchgänge_IMG_9182
einer der unzähligen Innenhöfe_IMG_9194Zum Glück sind wir vor Harbin schon vor dem Eingang zur verbotenen Stadt gestanden und haben bei schönstem Wetter Fotos von der Aussenmauer und dem Eingangsbereich schiessen können.

Die Aussenmauer und der zugefrorene Wassergraben__IMG_8817
der Durchgang zur verbotenen Stadt_IMG_8826
vor dem Eingangsportal_P1010281Die ganze Anlage ist riiiesig und man könnte locker einen ganzen Tag drin verbringen! Doch irgendwann wiederholen sich immer die gleichen Bilderszenen von bunten Tempeln, Steinböden und roten Mauern und auch die feuchte Kälte (plus Smog!) sitzt uns im Nacken so dass uns ein halber Tag völlig genügt.

Weiter besichtigen wir auch den Himmelstempel (Tempelanlage). Ein riesiger Park mit verschiedenen Tempeln und Pagoden. Besonders ein „Tempel“ fasziniert vor allem Manu weil alles auf der Zahl 9 aufgebaut ist und ihn die geometrische Anordnung in den Bann zieht.

der 9er Tempel_IMG_9247
um das Zentrum 9 Sektoren und 9 Kreise_IMG_9239
ein runder Tempel für Himmel auf einem quadratischen Platz für Erde_IMG_9232
Im Park beobachten wir zudem viele Chinesen am Kartenspielen, am Tanzen und Singen. Geselliges Zusammensein mitten in der Öffentlichkeit ist hier eine Selbstverständlichkeit. Nicht einmal das kaltfeuchte Wetter (und der hartnäckige Smog) hält sie davon ab.

An unserem letzten Tag in Peking wollen wir noch den etwas ausserhalb vom Zentrum gelegenen und anscheinend wunderschönen Sommerpalast besichtigen, doch Nadine wird krank und muss das Bett hüten. Erst dann erfahren wir über das Internet, durch Schweizer Online-Newsportale, dass die Amerikanische Botschaft in Peking seit einigen Tagen vor den höchst giftigen Smog-Werten, die momentan in Peking herrschen, warnt! (Die Chinesische Behörde wird erst tags darauf offiziell informieren und Smog-Alarm auslösen). :-( :-( :-( Super! Und wir marschierten in den letzten Tagen frischfröhlich und nichtsahnend über die bedrohlichen Werte umher! Nur weg hier!! Zum Glück haben wir die Tickets nach Pingyao ja schon in der Tasche!

Tags darauf verlassen wir dann smoggy Peking und fahren dieses Mal vom Pekinger Westbahnhof mit einem G-Klasse Hochgeschwindigkeitszug (dieser ist mit 303km/h wirklich schnell!) nach Taiyuan um von dort mit einem Bummelzug in 2 Stunden nach Pingyao zu kommen. In Taiyuan angekommen merken wir schnell, dies ist nicht mehr Peking! Die Chinesen starren uns regelrecht an und man könnte meinen wir seien 2 Ausserirdische! Dies haben wir so in Peking nicht erlebt und die Zielscheibe von allen Augenpaaren zu sein fühlt sich schon etwas komisch an. Während dem Warten auf unseren Anschlusszug in der Wartehalle schiesst sogar ein kleiner Junge die ganze Zeit Fotos von uns mit der Handykamera seines Vaters! :-) Bis er schlussendlich seinen ganzen Mut zusammennimmt und mit der Unterstützung seiner grossen Schwester Manu fragt ob er ein Foto mit ihm zusammen machen könne! So herzig! Und was er kann, kann Manu schon lange ;-)

der kleine Paparazzi_ IMG_9260So vergeht das Warten wie im Fluge und schon sitzen wir im Bummelzug nach Pingyao.

Pingyao bietet alles was Reisende von China erwarten oder wie sie sich China vorstellen! Die noch besterhaltene Stadtmauer vom ganzen Land, schmale Gassen, alte Läden, traditionelle Bauten, rote Laternen en Masse und eine überschaubare Grösse!

Pingyaos traditionelle Bauten..._IMG_9309
und viele Laternen_IMG_9282Zudem war es eine blühende Handelsstadt während der Ming und Qing-Dynastie und die uralten Wohnhöfe sind mittlerweile Herbergen für Touristen.

Unzählige wunderschöne Wohnhöfe stehen uns zur Auswahl und wir entscheiden uns bewusst nicht für eine Herberge die im Lonely Planet steht! :-) Die Wahl fällt auf das Guesthouse „Cheng Homes Fork Hotel“ das auch „The old Chengija Hotel“ genannt wird. Denn die Meinungen auf Trip Advisor überzeugen uns und auch der Preis in der Nebensaison ist verlockend (135 RMB, ca. CHF 20, inklusive eigenem Bad und Frühstück für zwei). Und wir werden nicht enttäuscht! Mr. Jia der Manager begrüsst uns bei unserer Ankunft freundlich in gutem Englisch und gibt uns sogar ein Upgrade auf ein grösseres Zimmer! Was will man mehr! :-) Der Innenhof ist bildschön und unser Zimmer, da verschlägt es uns wirklich fast die Sprache, der Hammer! Es ist eigentlich mehr Bett als Zimmer! :-D

das Bett-Zimmer_IMG_9263
der wunderschöne Innenhof leider auch mit Smog_P1010352
und der bissige Wachhund_P1010356Und der Komfort ist super: Warme Decken, beheizte Liegefläche, Wasserkocher im Zimmer, Stimmungsvolle Beleuchtung usw. usw. Und dazu immer wieder der hilfsbereite und zuvorkommende Mr. Jia. Würden wir für unsere Unterkünfte Punkte vergeben, gäbe es hier ohne zu zögern 7 von 7 MaNa-Punkten! :-D

4 Tage haben wir um Pingyao zu erkunden, die Stadtmauer zu besteigen, jahrhundertalte Innenhöfe zu besichtigen und uns in die Zeit der Dynastien zurückzudenken. Doch es kommt anders! Die immer noch nicht auskurierte Erkältung (danke Smog!!) von Nadine macht uns ein Strich durch die Rechnung. Die Luft ist hier zwar nicht so extrem smoggy wie in Peking aber auch nicht wirklich frisch um eine deftige Erkältung, die sich mittlerweile wie eine Bronchitis anfühlt, auszukurieren. Daher muss Manu alleine auf Erkundungstour gehen. Er verzichtet auf das 3 Tage gültige Ticket, welches diverse Eintritte zu den Wohnhöfen beinhaltet plus den Zutritt auf die Mauer, um dafür Nadine zu pflegen. :-) Doch bei einem Erkundungsbummel am letzten Tag findet er einen weniger touristischen Weg, innerhalb der Stadtmauer entlang, und umwandert so Pingyao auf sehr unkonventionelle Weise.

innerhalb der Mauer No1_IMG_9335
innerhalb der Mauer No2_IMG_9329innerhalb der Mauer No3_IMG_9326innerhalb der Mauer No4_IMG_9324Bald rückt der Tag der Weiterreise an und eine erste Fahrt mit einem Nachtzug im Hardsleeper-Abteil steht uns bevor. Zum Glück „nur“ eine 8-stündige Nachtfahrt bis nach Xi’an (Terrakotta-Armee). Das Hardsleeper-Abteil stellt sich weniger schlimm heraus als es sich anhört. Im Wagen reiht sich eine türlose Nische an die andere, in denen es links und rechts je drei übereinanderliegende Betten hat. Entlang der Nischen ist der Gang wo es noch kleine Tischchen und Klappstühle an der Wand hat um gemütlich zu sitzen und aus dem Fenster zu gucken oder eine Instant-Nudelsuppe zu essen. Gemäss unseren Tickets haben wir die 2 obersten Betten in einer Nische und mal abgesehen von der Klimaanlage, ist dies keine schlechte Lage. Punkt 22 Uhr wird das Licht gelöscht! Hoppla! Ja dann gute Nacht allerseits und bis bald in Xi’an! :-)

schlaft gut_IMG_9388PS: In Pingyao hatten wir die Möglichkeit einen Teil unserer Winterbekleidung loszuwerden. Bei Mr. Jia übernachteten auch Matt und Kate aus England die uns mittteilten  dass sie nach Harbin reisen, aber zu wenig warme Kleidung hätten. So fand die „alte“ Daunenjacke von Nadine’s Mutter mit Kate nochmals eine neue Trägerin und die Alaska-Stiefel, welche Manu in Irkutsk kaufte, wurden von Matt nochmals in den kalten Norden ausgeführt. Beides wurde danach in Peking einem Obdachlosen geschenkt (siehe 23 Eintrag im Gästebuch von Matt Mager) der diese Geste sehr schätzte.

 


Kommentare

Nur weg hier! — 2 Kommentare

  1. Tolle Bilder. Müssen wohl von Beijing aus, doch mal dorthin reisen. Besonders die Untrekunft ist toll mit dem “alten, chinesischen Bett”. In Gebiete, in die sich nicht so viele Langnasen verirren ist man schnell eine Attraktion …

    • Mr. Jia würde sich bestimmt über euch freuen, wenn ihr bei ihm übernachtet :-) An das “eine Attraktion” sein gewöhnt man sich ja zum Glück schnell! Ist ja irgendwie auch lustig!

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