Der Reisterrassen-Flop von Jinkeng und Ping’an!

Der Reisterrassen-Flop von Jinkeng und Ping'an

Vergesst die Longij-Reisterrassen in der Nähe von Guilin und gönnt euch für dieses Geld etwas anderes!

Wir erhielten ja die Empfehlung die Reisterrassen von Jinkeng (Dazhai) zu besuchen, da diese noch untouristischer und authentischer sein sollen als diese in Ping’an. Als wir nach unserem langen Bus-Hopping Tag am Eingangstor von Jinkeng ankommen, machen wir erst einmal grosse Augen! Ein riesiger betonierter Parkplatz und daneben eine Talstation einer Seilbahn! Eine Seilbahn?!? Wir bekamen doch die Empfehlung hierher zu kommen, da es weniger touristisch sei? Da passt eine Seilbahn ganz und gar nicht in unsere Vorstellung von „untouristisch!”.

Das Gebäude ist noch nicht fertig und die Seilbahn mit der Flagge gekürt schon in Betrieb_IMG_0824neben der Seilbahn ist das Eingangstor nach Jinkeng_IMG_0825Wir versuchen diesen Anblick zu verdrängen und machen uns zu Fuss auf den länger als gedachten Weg den Hügel hoch zu unserem Hostel. Nach einem guten Nachtessen fallen wir pappsatt ins Bett.

Ausgeschlafen und getankt mit neuer Energie besichtigen wir die Reisterrassen und die Aussichtspunkte von Jinkeng. Doch diese Seilbahn in der Ferne stört das idyllische Bild gewaltig! Sie führt direkt auf einen Aussichtspunkt am Rande der Reisterrassen!

Störfaktor Seilbahn in der Ferne_P1020572Doch die Seilbahn ist nicht das einzige Unpassende das wir entdecken! Am gegenüberliegenden Ende der Terrassen erspähen wir eine Strasse die sich im Bau befindet und das Bild gleich nochmals stört. Sie führt direkt Richtung Ping’an ohne den momentanen Umweg, zuerst runter ins Tal zur Erlong-Brücke und von dort wieder hoch!

Trotz diesen beiden störenden Elementen bestaunen wir die Reisterrassenbaukunst und finden diese wirklich beeindruckend und imposant. Wir geniessen es durch die Terrassen zu schlendern und uns die immense Arbeit vorzustellen, welche hier über Generationen geleistet wurde, um die unzähligen Terrassen in dieser hügeligen Gegend anzulegen.

Reisterrassen bis an den Horizont_P1020070die fliessenden Formen passen sich den Hügeln an_P1020520immer wieder neue Perspektiven eröffnen sich uns beim Durchschlendern_ P1020093mittendrinn liegt Ping'an_P1020576Nach unserer Besichtigung sind wir aber trotzdem enttäuscht und machen uns unsere Gedanken. Was geht hier vor sich?! Auf der Hinfahrt haben wir festgestellt, dass die Strasse zweispurig ausgebaut wird. In Jinkeng steht eine brandneue Seilbahn und es ist eine Strasse im Bau Richtung Ping’an. Wir haben da so einen Verdacht, dass hier ein massiver Ausbau für die mehrheitlich chinesischen Touristen bevorsteht!

Obwohl wir nicht gerade motiviert sind, entscheiden wir uns Ping‘an doch noch einen Besuch abzustatten. Dazu müssen wir aber eben diesen Umweg in Kauf nehmen und zuerst wieder mit einem Minibus an die Strassengabelung bei der Erlong-Brücke runterfahren. Einem Déjà-vu gleich, werden wir schon wieder ausgeladen um auf einen anderen Minibus zu warten, wieder hoch nach Ping’an. Manu geht das Warten zu lange und er streckt den Daumen raus. Kaum den Daumen in den Wind gehalten hält auch schon ein Auto und was für eins! Ein Muldenkipper! Der chinesische Lastwagenfahrer nimmt uns netterweise mit und wir quetschen uns mit all unserem Gepäck in die Führerkabine… ! Amüsant war die Fahrt auf alle Fälle!! ;-)

unser Muldenkipper-Taxi_ IMG_0846

Was wir dann aber im touristischen Ping’an antreffen toppt die Enttäuschung von Jinkeng locker! Der Weg ins Dorf ist gesäumt mit Souvenirshops! Ping‘an ist eine einzige, grosse Baustelle und man muss aufpassen, wo man hintritt!

Parcour durch die Baustelle Ping'an_IMG_0882Auch hier entdecken wir eine Strasse die sich im Bau befindet, welche natürlich, ihr könnt es euch ja schon denken, direkt Richtung Jinkeng führt! Und wir stellen fest, wie auch schon in Jingkeng, dass der Reisanbau noch gar nicht angefangen hat?! Fast alle Felder sind entweder mit Gras überwachsen oder es wird Raps angepflanzt. Irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt… ! Wie uns erzählt wird pflanzen die Bauern gar keinen Reis mehr an! Stattdessen lebt man jetzt, wen wundert‘s, hauptsächlich vom Tourismus. Doch auch anderes kommt uns zu Ohren! Anscheinend pflanzen die Bauern extra nichts an, weil sie angeblich von den Einnahmen der teuren Eintrittstickets (80 RMB) vom Staat nichts abbekommen. Dann erzählt man uns aber auch, dass sie doch Geld vom Staat kriegen. Dieses wird aber investiert um die Häuser auszubauen, sprich um noch mehr Unterkünfte für die chinesischen Touristenmassen bereitstellen zu können.

Unser Verdacht verstärkt sich! Bestimmt plant der Staat, dass zukünftig Touren angeboten werden können, die sich wohl so abspielen:

>> Start ist in Guilin. Im Reisecar werden die Massen nach Jinkeng gefahren. Mit der Seilbahn geht es dann rauf zum Aussichtspunkt und gleich wieder runter. Im Anschluss geht die Fahrt weiter auf der neuen Strasse direkt durch die Hügel nach Ping’an. Nach der Besichtigung fahren die Reisecars wieder talwärts zur Erlong-Brücke von wo es auf der zweispurig ausgebauten Strasse wieder zurück nach Guilin geht. So können die Touristenmassen in einem Rundkurs durch die Reisterrassen geschleust werden.<<

Uns ist die Lust an diesen Reisterrassen definitiv vergangen! Auf unserer Rückfahrt nach Guilin kommen wir mit einem deutschen Paar ins Gespräch. Wir teilen unsere Erlebnisse in den Reisterrassen und im Gespräch erhalten wir die „Bestätigung“ unseres Verdachts! Sie erzählen uns von ihrer Begegnung mit einem Deutschen der in Ping’an wohnt. Er hatte ihnen erzählt, dass genau unser Verdacht geplant ist und all diese Bauvorhaben genau auf dieses Ziel hin verwirklicht werden. Und das bedenklichste was er ihnen erzählte war, dass die Übernachtungsplätze in Ping’an von momentan 2‘000 auf 10‘000 ausgebaut werden sollen! Wie wird das Dorf Ping’an dann wohl aussehen?! :-(

Für uns waren die Reisterrassen ein Flop und diesen Besuch hätten wir uns wirklich sparen können. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer! In Asien gibt es ja noch unzählige andere Reisterrassen zu besuchen. ;-) Hoffentlich nicht so verbaute (verplante) und solche, wo auch noch Reis angebaut wird!


Kommentare

Der Reisterrassen-Flop von Jinkeng und Ping’an! — 8 Kommentare

  1. Hi MaNa!

    Die Reisterrassen von Longsheng auslassen oder nicht? Wir waren hin und her gerissen. Schlussendlich entschieden wir uns für einen Besuch. Dank eurem Artikel (merci google) waren die Erwartungen dann schon auf ein realistisches Mass reduziert ;) Gut gefallen hat uns dafür die Wanderung von Dazhai nach Ping’an, wo wir fast alleine unterwegs waren. In der mitte liegt Zhongliu, da könnte man wohl sogar eine gemütliche Nacht verbringen.
    lg und weiterhin viel Spass bei der Reise
    http://www.fulltime-bohemians.ch/2013/08/east-asia/da-wo-der-reis-wachst

    • Hallo Bohemians!
      Cooler Blogg! ;-) Wir hatten wohl zu hohe Erwartungen wegen den farbenprächtigen Werbeplakaten und den (zu) schön gedruckten Eintrittsticket! ;-) Aber wir empfehlen sowieso immer allen sich ein eigenes Bild zu machen. Die Wanderung hätten wir gerne gemacht hatten aber keine Zeit mehr…
      Wünschen Euch grandiose Reiseerlebnisse und frohes Bloggen! :-P

  2. Da hat jemand Eure URL auf die Wand im Hostel in Guilin geschrieben :)

    Waren auch in Lijang, und fanden es super. Wir sind selber hingefahren und über Nacht geblieben. So konnten wir von

    Dazhei aus dort wandern, wo die Bustouren nicht hinkommen. Wir waren 5 Stunden fast alleine in den Reisterrassen

    wandern. Zugegeben, noch in der Nebensaison (noch kein Reis, der kommt erst ab Mai).

    Können es den Menschen dort aber nicht verdenken, dass sie keine Lust auf Reisanbau mehr haben. Das hören wir öfters in

    Asien, einfach weil Reisanbau unglaublich harte und sehr schlecht bezahlte Arbeit ist.

    Klar, dass der touristische Ausbau aber auch verträglich sein sollte…

    • :-D Da hat jemand unsere URL im Ming Palace entdeckt! :-) Schade haben wir Euch “verpasst”! Aber danke für Euren Kommentar und Bloglink, jetzt haben wir nochmals einen spannenden Reiseblog zum Lesen! :-)
      Betreff den Longji-Reisterrassen: Wir waren auch zuerst 2 Nächste in Dazhai und danach in Pin’an. Leider wird dort auch im Mai kein Reis angebaut, dazu hätten sie spätestens jetzt anfangen müssen die Felder umzupflügen und vorzubereiten für die Setzlinge… Das die Bevölkerung dort gar keinen Reis mehr anbaut wussten wir im Vorfeld nicht und sind wohl mit falschen Erwartungen hingefahren. (Siehe Olivers Kommentar) Auch die Seilbahn hat uns ziemlich geschockt. Die Bustouren werden dann wohl spätestens nächstes Jahr auch nach Dazhai kommen wenn die Direktverbindung Pin’an – Dazhai fertig ist.

  3. Ich bin froh, dass ich schon vor sechs Jahren da war, als das Gebiet noch nicht so erschlossen war. Das angesprochene Problem mit den Tickets ist in China allgegenwärtig. Am Fall der genannten Reisterrassen gibt es sogar eine wissenschaftliche Studie. Ich habe sie hier in einem Gastbeitrag für eine andern Blog zusammengefasst: http://www.nomadearth.com/2013/03/17/nachhaltiger-tourismus-in-china-zwischen-gewinnmaximierung-und-umweltschutz/

    • Echt interessanter Bericht den Du geschrieben hast! Können uns gut vorstellen, dass es vor 6 Jahren noch ganz anders ausgesehen hat. Begreiflich, dass sich die Dorfbewohner wehren…knallgrüne Reisfelder kriegt man jetzt nicht mehr zu Gesicht. Hoffentlich passiert nicht dasselbe in Sapa (Nord Vietnam). Dort bauen die Minderheiten trotz starkem Tourismus immer noch Reis an. Wir haben bewusst eine Trekking-Tour direkt mit der lokalen Bevölkerung gemacht anstatt über das Hotel/Reisebüro mit Guide…Aber dazu gibt es dann noch einen Bericht.

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